Hessische Staatsdomäne Marienborn

Die Geschichte

1274
: Verlegung des seit 1261 bestehenden Zisterzienserinnenklosters von Herrnhaag bei Büdingen nach dem heutigen Marienborn durch Schenkung von Ludwig I von Isenburg-Büdingen, mit der Bedingung, dort eine Kirche zu errichten.
Die Kirche wurde 1287 fertiggestellt.
 
14.-15. Jhd.: Durch Schenkungen und Legate insbes. des Wetterauer und Frankfurter Adels war Marienborn eines der reichsten und gesuchtesten Klöster der Wetterau. Das Kloster gehörte zur Diözese Mainz und stand unter der Aufsicht des Abts zu Arnsburg. Von 1275 bis 1555 standen dem Kloster 17 Äbtissinnen vor.
 
1555 : Tod der letzten Äbtissin Wandala, Gräfin von Wertheim. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch 5 Nonnen im Kloster.
 
Marienborn war bis zur Reformation Grablege der isenburgischen Grafen, zuletzt Graf Johann V im Jahre 1588.
 
1559: Aufhebung des Klosters als Folge der Reformation. Der Besitz fiel zurück an die Erben des Stifters, die Grafen von Isenburg-Büdingen. Die Einkünfte wurden zur Aufbesserung der Kirchen und Schulen verwandt. Die Klostergebäude dienten nun als Kanzlei, Amtshaus und Wirtschaftsgebäude.
 
1673: Bau eines Schlosses an der Stelle des Klosters durch Graf Karl-August von Ysenburg (gestorben 1725) nach französischem Vorbild (Stil Louis XIV), wobei die Klosterkirche in die Anlage mit einbezogen wurde.Der Seitenflügel lehnte sich mit ganz geringem Abstand an die Längswand der Kirche an. Der östliche Teil der Kirche wurde zur Schloßkirche. Der westliche Teil der Kirche erhielt als Wohngebäude sein heutiges Aussehen. Die gotischen Reste der Ausstattung, soweit sie an die katholische Vergangenheit erinnerten, wurden beseitigt, so auch das Hochgrab des Johann von Ysenburg und seiner Frau Sophia von Wertheim. Die Deckplatte mit den Bildnissen des Paares wurde ein eine Wandnische eingesetzt . Sie befindet sich heute in der fürstlichen Schloßkapelle in Büdingen. Ebenso der Grabstein des Klosterstifters aus dem Jahr 1300.
 
1736: Verpachtung des Schlosses Marienborn an Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der es zum Mittelpunkt der Herrnhuter Brüdergemeine machte, die hier ein theologisches Seminar und ein Pädagogium gründete. Die Herrnhuter Brüdergemeine ist eine ev. Gemeinde, die aus Resten der Böhmischen Brüder und dt.. Pietisten um 1722 unter der Leitung von Zinzendorf auf dessen Gut Bertelshof (Oberlausitz) entstand, wo der Stammort Herrnhut gegr. wurde. Die Gemeine wurde gekennzeichnet durch heitere Frömmigkeit, arbeitsames Leben, Missions-, Erziehungs- und Pflegetätigkeit. Zinzendorf kam nach seiner Vertreibung aus Sachsen zunächst auf die Ronneburg, die durch das bekannte Toleranzedikt des Grafen Kasimir seit 1712 religiös Verfolgten als Unterkunft diente. Nach kurzem Aufenthalt dort zog er nach Marienborn. Hier begann die evangelisch-christliche Missionarstätigkeit in vielen Ländern aller Erdteile.
 
1747: Zinzendorf übersiedelte auf den Herrnhaag, wo die Brüdergemeine eine Niederlassung errichtete. Die Synoden fanden weiterhin in Marienborn statt, auch nach der Vertreibung der Herrnhuter durch die Büdinger Regierung im Jahre 1750.
Noch heute besuchen Anhänger der weltweit verbreiteten Kirche Marienborn.
 
1769: Goethe besucht die Synode der Herrnhuter Brüdergemeine in Marienborn.
Zitat aus Dichtung und Wahrheit: Die trefflichen Männer, die ich auf dem Synodus zu Marienborn, wohin mich Legationsrat Moritz, Geschäftsträger des Grafen Ysenburg, mitnahm, kennen lernte, hatten meine ganze Verehrung gewonnen und es wäre nur auf die angekommen, mich zu den ihrigen zu machen.
 
1759: Zur Schloßgeschichte ist durch eine Eintragung im Kirchenbuch von Eckartshausen belegt, daß im 7-jährigen Krieg nach der Schlacht von Bergen bei Hanau im Schloß Marienborn das Hauptquartier der alliierten Armeen unter Herzog Ferdinand von Braunschweig war. 40.000 Soldaten und 1.000 Wagen biwakierten in den Feldern um Marienborn und Eckartshausen.
 
1835: Abbruch der Kirche bis auf die Umfassungsmauern infolge Baufälligkeit
 
1889/1889: Abbruch des Schlosses mit Seitenflügel, da die Anlage seit 1750 leer stand und von den Eigentümern nicht genutzt wurde
 
Auf dem Hähenrücken hinter Marienborn verläuft die Hohe Straße, die ausgehend von Mainz über das Römerkastell Marköbel in Richtung Büdinger Wald (dort Reffenstraße genannt) und weiter nach Fulda und Nordostdeutschland führte. Sie ist von Napoleon noch als Rückzugsstraße nach der Völkerschlacht von Leipzig benutzt worden.
 
Die Hofanlage von Marienborn entstand etwa um 1700 (über dem Haupteingang zum Wohhaus steht 1705 / über einem der Torbogen an den Stallungen steht 1708). Das sogenannte Hofhaus ist von Forstmeister Kalkhof erbaut worden, von dem ein ähnlich schöner Bau in Eckartshausen steht.
 
Nach dem 1. Weltkrieg verlor das Hofgut durch die sogenannte Siedlung große Teile seines besten Ackerlandes an die Eckartshäuser Bauern und die fürstliche Herrschaft war gezwungen den Hof zu verkaufen.
 
Ab 1964 ist das Hofgut eine Staatsdomäne des Landes Hessen. Die Justus-Liebig-Universität hat das Gut gepachtet. Marienborn dient heute als Lehr- und Versuchsgut für die betriebswirtschaftliche Forschung in der Agrarwissenschaft.

Seit 2008 bewirtschaften wir - die Familie Förster - den Hof.